Ein Engel mit Notebook-Rheinische Post am Niederrhein 2001

 

Harald Trenner sitzt in seinem künftigen Büro vor dem Notebook. Buchstaben flimmern über den Schirm. Nebenan liegt ein Organizer. Die Finger flitzen über die Tastatur. Ums Handgelenk windet sich eine wuchtige Uhr mit GPS, dem Satelliten-Navigationsystem. Die Wände des sonst spärlich möblierten Raums sind bedeckt mit Urkunden und Zertifikaten. Hier lebt ein Erfolgsmensch ­ erfolgreich im Überleben. Harald Trenner ist zertifizierter Wildnisprüfer des Internationalen Wildnisführer Verbandes. In Krefeld wird er am 1. August seine Agentur eröffnen.

 

In einer Ecke des Raum ­ wie hinge

schmissen ­ liegt die Seilausrüstung.

“Wenn es hier brennt, komme ich sofort raus." Der 43-Jährige denkt nach, bevor er sich unnötig in Gefahr begibt ­ und Gefahren lauern überall.

“Wenn Sie in einem Auto sitzen, vergessen Sie nicht, die Fenster einen Spalt breit offen zu lassen. Es reicht schon ein kleines Stück. Denn nur,

wenn das Fenster offen ist, können selbst Kinder im Notfall mit dem Ellenbogen die Scheibe einschlagen."

Hilfreiche Tipps, die nicht nur in der Wildnis, sondern auch im Großstadtdschungel Gold wert sind ­ der  “Survivalangel", der Krefelder Rettungsengel, kennt sie. Die eigene Haut musste der Vater dreier Kinder in seinem Leben unzählige Male retten. So oft, dass er die genaue Zahl

selber nicht mehr weiß. In seinem Buch, das gerade im Laptop entsteht, schlägt Harald Trenner nach. “Ich habe Schlangenbisse, Pilzvergiftung,

mehrere Überfälle, Motorradunfälle und einen Baumsturz überlebt. Seit ich das überstanden habe, nenne ich mich Survivalangel."

 

Mit Lebensgefährtin Ramona Schmandt und seinen Kindern Eric (2), David (3) und Tobias (7) praktiziert der gebürtige Leipziger ein Leben am Limit. Seine Kleidung ist zweckmäßig, genau wie der Haarschnitt. Mit einem abgewetzten Rucksack geht Harald Trenner in die Natur. “Wer mir versucht, irgend so 'nen überflüssigen Schnickschnack anzudrehen, der wird aufgeben." Er lacht. Er als Wildnisprüfer weiß schließlich

besser als die meisten Verkäufer, was draußen wirklich Sinn macht.

Und das ist nicht viel. So wenig, dass die meisten seiner Kursteilnehmer verzweifeln, wenn Trenner sie ohne Handy, Bargeld und Telefonkarte in der Einöde stehen lässt.

Zu seinem Beruf kam der gelernte Koch über Umwege. Als politischer Gefangener erlebte er die Unmenschlichkeiten des DDR-Regimes am eigenen Leib. Sechs Jahre saß er hinter Gittern, davon einige Monate in Einzelhaft. “Seitdem kann ich nicht mehr in engen Räumen arbeiten", er

klärt er. Seine Karriere als Koch fand ein frühes Ende. 1984 kaufte ihn die Bundesrepublik frei. Seitdem jobbt Harald Trenner als Bodyguard (“Ich

habe Madonna, Prince oder auch Peter Maffay und Heino bewacht") und gibt Seminare wie am Wochenende in Duisburg. Trenner hilft dem Ordnungsamt bei Zwangsräumungen und arbeitet mit der Polizei zusammen. Überleben hat viele Seiten ­ es müssen nicht unbedingt die telegenen à la “Inselduell" sein.

Ab dem 1. August wird sich Harald Trenner mit seiner Leidenschaft selbstständig machen. Sein Büro am Nordwall hat er bereits bezogen und

eine genaue Vorstellung von dem mitgebracht, was er anderen künftig bieten möchte. “Ich kann Manager für ihre Sinne sensibilisieren. Ich möchte

aber auch gerne mit Kindern arbeiten und biete Survival-Ausflüge für Jedermann nicht nur in die Wildnis, sondern auch innerhalb der Stadt

an." Ein Tageskurs kostet rund 100 Euro, für ein Wochenende mit Abschlussprüfung zahlen die Teilnehmer um die 300 Euro. Getreu dem Motto:

“Wer die Grenzen kennt, kann sich frei bewegen." Infos unter Tel. 0179-8117757 oder  webmaster@Survivalangel.de / www.survivalangel.de .

 

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