Allzeit bereit NRZ 19.05.04

 

ÜBERLEBENSTRAINING / Harald Trenner klettert mit Kindern auf Bäume und grillt in Blechdosen. Für den Fall der Fälle.

Rumjammern gilt nicht, wenn es mal wieder nicht so hinhaut. Stellen wir uns mal nicht so an. Es gibt nämlich Menschen, die sind um einiges schlimmer dran. Allein von dem, was sie erlebt haben. Harald Trenner ist so einer, auf den das zutreffen könnte. Ein Praktikant seines bisherigen Lebens, sagt er von sich selbst. "Das Umfeld prägt den Menschen." Und das waren bei ihm sieben Jahre politische Gefangenschaft in der DDR, Pilzvergiftung, Giftschlangenbisse, Motorradunfälle. Nicht, dass dieser Mann das Unglück anziehen würde. Weiter im Takt: Baumsturz. Kiefertumor, ein Zugunfall. Alle Situationen hat er überlebt. Geht nicht anders, sonst hätten wir uns auch schlecht mit ihm unterhalten können..."Es ist die Erfahrung, die einen Menschen stark macht", sagt Harald Trenner. Sein Schutzengel war dann irgendwann aber urlaubsreif. Und Harald Trenner prädestiniert für einen Job: Survival-Trainer. Und so nennt er sich nun auch: Survivalangel - Überlebensengel.

Überall lauern Gefahren

Der Sinn des Lebens: Der liegt nicht in dickem Auto, schnieker Villa und doller Yacht - alles reine Illusion. Sondern einzig und allein im Überleben, so der Wildnisführer. "Luxus bedeutet Armut", sagt der Mann für jede Lebenslage, der all seine Erlebnisse und Tipps gerade zu einem Buch zusammenschreibt. "Survival ist da, wo ihr euch gerade befindet."

Nicht nur in der Pampa, auch in der Stadt. In der Disco, im Auto, Zug, in öffentlichen Gebäuden. Es heißt nicht umsonst Großstadt-Dschungel. Gerade dort lauern eine Menge Gefahren, erklärt der gelernte Koch, der als Bodyguard auch schon Tina Turner und Joe Cocker schützte. Vor allem für kleine Menschen. Und mit so einer Standpauke legt Harald Trenner los, stimmt die Jungen und Mädchen der Klasse 4a der Geschwister-Scholl-Schule in Krefeld ein, auf ihr Survival-Training am Hülser Berg. Mal was anderes als Mathe, Sprache und Sachkundeunterricht. Sieben Stunden spielend lernen: Bäumeklettern, Hütten bauen und Feuer machen.

Im Bus geht´s schon los. Alles rennt rein, sucht sich einen Sitzplatz. Viele Menschen haben das verinnerlicht: Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben. Oder eben ein Stehplatz.Erste Lektion: Nicht mehr nach hinten stürmen, weil´s da so gemütlich und der Lehrer weit weg ist. "Im Bus immer möglichst in der Mitte sitzen oder stehen."Wenn´s denn mal kracht, dann meist vorne oder hinten. Zweitens: Im Auto das Fenster immer ´nen Spalt offen lassen. "Dann kann auch ein Kind die Scheibe von innen raustreten." Aber das nur für den Notfall im Kopf behalten. Lieber nicht zuhause ausprobieren, da würden die Eltern doch ein wenig säuerlich drauf reagieren.Und ganz wichtig: nicht in Panik geraten, sondern versuchen den Überblick zu bewahren. Das hat er sich von den Tieren abgeschaut. Die überprüfen mit ihrem ersten Blick auch erstmal ihre Fluchtmöglichkeiten. Survival-Training muss also nicht immer Insekten futtern und über den Boden robben sein. Nahrhaft sind sie trotzdem die kleinen Viecher, vor allem proteinreich. Red Bull und Cola als Getränke sind passe?. "Die entziehen dem Körper noch Flüssigkeit." Tee ist gut, und Wasser. Aber nicht eiskalt, weil sonst Magen und Darm rebellieren.Es sind auch nicht immer Manager, die da durch´s Unterholz krauchen, über Glasscherben hüpfen. Harald Trenner möchte den Menschen lieber Überlebens-Tipps für den Alltag geben. Alles nach dem TWS-Prinzip: trocken, warm, satt, das ist die Hauptsache.

Das kann bedeuten, dass man auch mal auf Bäume klettert, den Abfall der Wohlstandsgesellschaft zu einem Blechdosen-Grill umbaut oder sich aus Ästen und Blättern einen Unterstand zaubert. In zehn bis 15 Minuten kann man sich mit Bindfäden und dem, was man um sich herum im Wald findet, so eine Notunterkunft bauen. Die gehören neben Kompass, Wasserflasche, Taschentüchern und einem Messer immer in seinen Rucksack. Wie damals, als der Outdoor-Kamerad drei Tage in Lappland hängen geblieben ist. Keine Menschenseele, da hätte ihm auch eine Million Euro nichts genutzt. Höchstens zum Verfeuern. "Auf Geld kann man sich verlassen, aber es ist auch schnell weg." Weiß doch jedes Kind, was man dann macht. Nicht?Da zucken viele mit den Schultern. Weshalb Harald Trenner auf die Idee kam, sein Wissen, das er auf seinen Wanderungen mit Wolfsblut Nanuk durch die Wildnis erlangte, weiter zu geben. Deshalb gründete er in Krefeld den Verein Survivalangel. Denn vieles haben die zivilisierten Menschen vergessen. Sie wissen sich in vielen Situationen einfach nicht mehr zu helfen.

Mit Kompass und Tagebuch

Auch was die Orientierung angeht. "Viele Kinder waren im Urlaub und wissen gar nicht wo." Davon kann auch Lehrerin Kordula Belfqih einiges erzählen, wenn die Kinder aus den Ferien kommen. Deshalb lernen sie auch, einen Kompass zu lesen. Und Tagebuch zu schreiben. "Das ist auch für Jungs gut und hat nichts von Memme", meint der Trainer. "Denn was man aufschreibt, das bleibt auf der Festplatte im Kopf."

Genau da ist jetzt auch sein Wahlspruch, im Kopf der Kinder. "Der Sinn des Lebens ist?", fragt er in die Runde. "Überleben", antwortet ihm die Klasse 4a lautstark.

Kontakt zum Verein Survival-Angel und Harald Trenner gibt es unter Tel: 0179/8 11 77 57 oder im Internet: www.survivalangel.de

 

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